Theateraufführung "Charlie und die Schokoladenfabrik" am 08./09. Juni 2011
"Charlie und die Schokoladenfabrik" von Roald Dahl ist ein wundervolles modernes Aschenputtel-Märchen.
Obwohl der arme Charlie direkt neben der sagenumwobenen Schokoladenfabrik wohnt, bekommt er nur einmal im Jahr zu seinem Geburtstag eine Tafel geschenkt. Aber dann geschieht das Wunder: Charlie darf mit seinem Großvater und vier weiteren Kindern in Begleitung ihrer Eltern die geheimnisvolle Fabrik besichtigen. Und nun wird ein Feuerwerk an Phantasie gezündet, vor allem, wenn die Kreationen von Herrn Wonka, dem Fabrikbesitzer, beschrieben werden: "Zungenleim für geschwätzige Eltern" oder "unsichtbare Schokolade", die man in der Schule während des Unterrichts isst usw.
Aber da ist auch noch dieser typisch englische leicht bösartig-sadistische schwarze Humor, mit dem gefräßige, fette Kinder, Playstation-Junkies und ihre sie verwöhnenden Eltern geschildert werden, die für ihren verzogenen Nachwuchs nicht genug an Konsum und Vorteilen auf Kosten anderer herbeischaffen können und die dann zusehen müssen, wie ihre Brut schön langsam an der eigenen Gier erstickt.
Aber wie nun diese sprachgewaltige phantastische Welt, die sich da vor dem Leser auftut, ohne die Zaubermittel Hollywoods umsetzen und vor dem Zuschauer auf der Bühne entstehen lassen? Dazu musste die Theatergruppe des Gymnasiums Tegernsee unter der Leitung von Barbara Winkler, seit vielen Jahren eine feste Größe im Wahlfachangebot der Schule, eine eigene Textfassung erstellen, die einerseits genügend Freiraum für Phantasie ließ, andererseits Umsetzung in Spiel ermöglichte, an dem sich all die über 20 begeisterten Schauspieler beteiligen konnten. Und das gelang sehr einfallsreich, z. T. mit lebendigen Showelementen, z. T. mit erstaunlicher Zauberei auf der Bühne, vor allem aber auch durch unterschiedlichste Temperamente der Darsteller. Nach den beiden grell überdrehten Showmasterinnen (Anna Lena Knorr, Jessica von Wehner) folgte als Kontrast die ärmliche Welt des Charlie Bucket (klar, selbstbewusst und doch bescheiden Lukas Erhardt), um dann die Bühne zu bereiten für den wunderbar vor Spiellaune sprühenden Fabian Studen, der als exzentrisch-schräger Schokoladenzauberer Willy Wonka über die Bühne wirbelte.
Natürlich ist es immer etwas ungerecht, hier einzelne Darsteller herauszuheben, wo doch gerade Schultheateraufführungen leben vom Zusammenwirken aller Kräfte. So entstand in Zusammenarbeit mit der Kunsterzieherin Steffi Pütz wieder ein wundervoll buntes und umfangreiches Bühnenbild und auch die Eltern spielten ihre Rolle durch Ausstattung mit phantastischen Kostümen und mittels Schokoladensponsorings.
Nach dem letztjährigen Erfolg der Vormittagssondervorstellung für Grundschulklassen rund um den See wurde diese Idee heuer ausgeweitet auf zwei Vormittage. Besonders die "Kleinen" leben bei einer Aufführung voll mit, genießen nicht nur das Spiel, sondern nehmen Anteil am Schicksal der Figuren und reißen so ihrerseits wiederum die Schauspieler mit, die deutlich spürbar Spaß an ihrem Spiel und dem gegenseitigen Geben und Nehmen hatten. Zusammen mit den beiden Vorstellungen am Abend fanden also vier Aufführungen vor begeistertem, vollem Haus statt - 1000 Zuschauer an zwei Tagen, das ist der Lohn für manche Mühen während der einjährigen Proben, und bekanntlich werden nicht alle Mühen im Schulalltag so wundervoll belohnt!
Manfred Haertel
