Korbinian Aigner – der „Apfelpfarrer“ von Hohenbercha

Korbinian Aigner - der "Apfelpfarrer" von Hohenbercha (Landkreis Freising)


(1885 - 1966)

Er erkannte sehr früh die wachsende Bedrohung des Nationalsozialismus. Seit 1923, als er in einer Rede Hitlers hörte, wie dieser "Juden, Kommunisten und katholischen Pfarrern" die Vernichtung androhte, wandte er sich gegen dieses Regime: Er wehrte sich als junger Pfarrer dagegen, Kinder auf den damaligen Modenamen "Adolf"" zu taufen. 1934 verhöhnte er die SA im Religionsunterricht, (was ihm eine Geldstrafe von 150 Reichsmark einbrachte). Als am Neujahrstag 1936 die Hakenkreuzfahne als Nationalflagge gehisst werden musste, ging er in einer Predigt auf Distanz: "Damit ihr nicht auf falsche Gedanken kommt, möchte ich euch mitteilen, dass die Fahne da draußen nicht geweiht ist und nicht in die Kirche gehört."

Am 26.März 1936 sollten anlässlich eines Friedensappells Hitlers im ganzen Land die Glocken läuten, was Aigner in seiner Pfarrei verbot.

Dieser starrköpfige Pfarrer passte auch den kirchlichen Vorgesetzten nicht, er stand eben gegen den "Zeitgeist" und die offizielle Politik der Kirche; so wurde er 1937 nach Hohenbercha (Landkreis Freising) "strafversetzt".

Lebensgefährlich wurde sein Widerstand dann 1939, nach dem Attentat Georg Elsers auf Hitler im Bürgerbräukeller in München am 8.November 1939, dem Hitler bekanntlich entging.

Am nächsten Tag behandelte Aigner das Thema "Du sollst nicht töten" im Religionsunterricht und meinte (nach Zeugenaussagen): "Ich weiß nicht, ob das Sünde ist, was der Attentäter im Sinn hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden". (Am 1.September 1939 hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, Polen war erobert, der Westfeldzug stand bevor. Aigner - wie auch der Attentäter Georg Elser - befürchteten wohl einen neuen großen Krieg mit Millionen von Toten.)

Diese Äußerung Aigners wurde sofort bekannt, er wurde von einer Kollegin denunziert und am 12. 9. 1939 verhaftet. Das Urteil war (auffallend) milde: 7 Monate Haft in Stadelheim, doch dann folgte die eigentliche Strafe: ab September 1940 "Schutzhaft" im KZ Sachsenhausen, wo er beinahe an einer Lungenentzündung gestorben wäre, und anschließend Verlegung in das KZ Dachau (3.10.1941), wo er bis zum Ende des Krieges im sog. "Priesterblock" inhaftiert war und auf der "Plantage" des KZ´s (eine große Gemüse- und Kräuteranlage) arbeiten musste. Hier konnte er auch seiner Leidenschaft, dem Obst- und Gartenbau, nachgehen (Aigner stammte aus einer alten Bauernfamilie und liebte die Landwirtschaft) und züchte zwischen zwei Baracken heimlich neue Apfelsorten. Er nannte sie "KZ 1", "KZ 2", "KZ 3", "KZ 4"; am besten gelang Ihm die Sorte "KZ 3" - der heutige "Korbiniansapfel". Das Züchten der Apfelpflänzchen, das Beobachten, wie aus winzigen Keimen neues Leben entsteht und wächst, es war wohl die heimliche Überlebensstrategie des Landpfarrers aus Hohenbercha, der, gesundheitlich stark angeschlagen, die 5-jährige Hölle des KZ´s zu überlebte.

Noch auf dem Todesmarsch der KZ-Häftlinge, der ihm nicht erspart blieb (Evakuierung des KZ´s Dachau durch die SS, April 1945), hatte er - unter seiner Häftlingskleidung versteckt - die Setzlinge seiner Apfelsorten dabei, die er nach einer geglückten Flucht (28.4.1945) und nach Rückkehr in seine alte Pfarrei Hohenbercha zu neuem Leben erweckte.


Zum Gedenken an den mutigen Pfarrer aus Hohenbercha haben wir im Südhof unseres Gymnasiums einen Apfelbaum, den "Korbininasapfel" (gespendet vom Gartenbauverein in Gmund) gepflanzt.

(Zitate aus einer Zusammenfassung von Josef Hofstetter nach einer Darstellung von Hans Niedermayer, http://www.hohenpolding.de/apfelpfa.html)

E. Teufel