Aktuelles: Gerhart Baum an unserer Schule

Besuch von Innenminister a. D. Gerhart Baum am Gymnasium Tegernsee

Am 30. 09. 2010 besuchte der ehemalige Innenminister der sozialliberalen Koalition (SPD-FDP- Regierung unter Bundeskanzler H. Schmidt) Herr Gerhart Baum (FDP) unsere Schule. Eingeladen wurde er von der Fachschaft Geschichte/Sozialkunde

Herr Baum wäre bereits gerne zur 60-Jahr-Feier unserer Schule im Jahre 2009 nach Tegernsee gekommen (was aus Termingründen damals leider nicht möglich war); so erfüllte er sich heute seinen öfters geäußerten Wunsch, mal wieder die "alte Heimat" und "alte Schulfreunde" zu besuchen und mit heutigen Schülern über seine eigene Zeit als Schüler am Tegernseer Gymnasium zu reden.

Damit war Herr Baum bei TOP 1 seines lockeren, unterhaltsamen Vortrags vor ca. 200 Oberstufenschülern in der Aula des Gymnasiums. Es bereitete ihm sichtliches Vergügen, von seiner Schülerzeit am Gymnasium Tegernsee zu erzählen: Nach der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 (das "größte Schockerlebnis meines Lebens") war er als 12-Jähriger mit seiner Mutter ins Tegernseer Tal gekommen und fand dort eine erste Heimat als Flüchtling (Haus am Kapellenberg). Verglichen mit dem schwarzen, zerstörten Dresden war das Tal für ihn eine "Idylle", obwohl "wir dauernd Hunger hatten". An den Unterricht im Sengerschloss, die amerikanische Schulspeisung ("köstlicher Milchkakao"), kann sich Herr Baum noch gut erinnern, auch daran, "wie viele Nazis" es damals noch gab. Denn als die Schüler 1948 eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer des 20.Juli machen wollten, wurde dies von der Schulleitung verboten, denn Widerstandskämfer galten immer noch als "Landesverräter", "Eidbrüchige", "Treulose". Dies war für den jungen Schüler Baum ein "Schlüsselerlebnis", sich in der Politik zu engagieren, für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen, der Freiheit des Einzelnen einen Schutzraum zu erkämpfen, in der sie sich entfalten kann. Diesem Grundsatz ist Herr Baum bis heute (als 78-Jähriger) treu geblieben: sowohl als Innenminister (1978- 1982) in der Hochphase des RAF-Terrorismus (der Rechtsstaat musste entschlossen handeln, durfte aber nie dafür die Freiheitsrechte des Einzelnen - auch nicht die von Terroristen - opfern) als auch heute, als "Altliberaler", der die größte Gefahr für die Freiheit der Bürger in den "informationellen Systemen" der modernen Medienwelt sieht. Herr Baum zeigt den Schülern sein I-Phone und meint: "Ein tolles Gerät für Kommunikation, aber damit bin ich auch registriert, ich habe eine Nummer bekommen, ich bin überwachbar!" Gegen diese informelle Überwachungs- und Kontrollkompetenz durch die modernen Medien, deren sich sowohl der Staat als auch nichtstaatliche Großunternehmen bedienen können, gilt es anzukämpfen, denn der einzelne Bürger steht dieser Übermacht völlig hilflos gegenüber. Sein Schlussappell: "Freiheit muss immer wieder erkämpft und erstritten werden", "totale Sicherheit gibt es nicht", "Freiheit ohne Risiko gibt es nicht" - Kernsätze von Herrn Baum, für den liberales Denken und Handeln zur Lebensmaxime geworden ist. Die Schüler konnte er mit seinem Vortrag zwei Stunden lang begeistern.

E. Teufel