Die Situation des Fachs im G 8
Was wir mit unserem Fach eigentlich erreichen wollen:
- Grundkenntnisse über Staat, Politik und Gesellschaft auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene vermitteln,
- Interesse wecken für Politik und für das politische Tagesgeschehen,
- Fertigkeiten schaffen, wie man Politik analysiert, sich selbsttätig mit Politik auseinandersetzt, sich ein kritisches, sachliches Urteil bildet,
- ein Bewusstsein schaffen, dass Demokratie wir alle sind, dass Demokratie vom Mitdenken, vom Mitdiskutieren, vom Mitmachen lebt - und dass Demokratie auch Spaß machen kann.
Was uns an realen Möglichkeiten zur Verfügung steht:
Im G 8 ist Sozialkunde zwar verpflichtend von der 10. bis zur 12. Jgst. (wodurch das Fach eine gewisse Aufwertung erfährt),
aber in der Unterrichtsrealität ist dem Fach der Boden entzogen:
1. Es ist zur Einstündigkeit verdammt (auch in der Oberstufe!).
Jeder, der einmal davon betroffen war, kennt die Krux mit den einstündigen Fächern: Ein Wandertag, eine Theaterfahrt, eine Musikprobe, ein Feiertag etc. kann den Unterricht um zwei, manchmal sogar drei Wochen auseinander reißen.
2. Es fehlt an ausgebildeten Lehrkräften, die Geschichte und Sozialkunde in einer Hand unterrichten können (und wollen).
Die "Spezies" der Lehrkräfte mit der Dreierverbindung D + G +Sk "stirbt aus"; so wird Sozialkunde nur noch selten in Kombination mit Geschichte von einer Lehrkraft unterrichtet werden.
Andererseits kann das Fach im Abitur - schriftlich wie mündlich - nur noch als Kombifach (G + Sk) abgeprüft werden. Ein eklatanter Widerspruch!
Das Ministerium hat das Problem erkannt und "Schnellkurse" - sozusagen ein Notprogramm - zur Erringung der Fakultas in Sk eingerichtet; man kann also nach 6 Kurswochen "Crashkurs" Sozialkundelehrer werden.- Was für eine Abwertung des Fachs, für das man an der Universität immerhin 4 Semester studieren musste!
(Die Schnellkurse sind inzwischen wieder eingestellt, da es - angeblich - "statistisch" genug Sk-Lehrkräfte gibt.)
3. Das alles hat Folgen für Stellenwert des Fachs in der Oberstufe:
Es werden in der Regel zwei Lehrkräfte in die Kombi-Abiturprüfung involviert sein, sowohl bei der schriftlichen wie bei der mündlichen Prüfung.
Welches Kollegium tut sich diese "Zusatzbelastung" an, wenn man Sozialkunde aus der gesamten Abiturprüfung streichen (sprich: davon abwerben) kann??
Und welcher Schüler lernt zusätzlich noch Sozialkunde für das komplizierte Kombi-Abitur, wenn es ohne das auch geht??
Wenn aber Sk für viele kein abiturwürdiges und kein abiturrelevantes Fach mehr ist, dannn verliert es grundsätzlich an Bedeutung in der Oberstufe, es wird zum billigen Anhängsel der gymnasialen Ausbildung, das man eben nur noch belegen muss.
Dabei ist Sk (besserer Name wäre"Politikkunde") das einzige Fach an der Schule, das systematisch politische Bildung und Kennenlernen von Demokratie vermittelt - welcher Politiker würde dies jemals bestreiten und welcher Politiker würde jemals den drohenden Niedergang dieses Faches hinnehmen wollen?? - Hier liegt unsere Chance. Wir sollten sie nützen.
E. Teufel
