Das W-Seminar „Der Prinzipat“ (A. Neumann)
Das W-Seminar "Der Prinzipat" (A. Neumann)
In dem geschichtlichen W - Seminar 2010 bis 2012 sitzen 17 Schüler, die sich auf ein großes Wagnis eingelassen haben.
Zunächst steht die Frage im Vordergrund, was ein W-Seminar eigentlich ist. Es ist die Kurzform für wissenschaftlich propädeutisches Seminar. Auch mit diesem Titel ist der Inhalt aber nicht klar.
In einem solchen Seminar sitzen junge Erwachsene, die hier die Fähigkeiten erlernen sollen, die bei einem Studium vorausgesetzt werden.
Zunächst bedeutet dies, sich mit einem bestimmten Thema intensiv und selbstständig auseinanderzusetzen. Diese Beschäftigung gipfelt dann in einer kurzen Präsentation und einer schriftlichen Arbeit, die aber alle wissenschaftlichen Anforderungen erfüllen muss. Hierfür legen die Seminarteilnehmer einen arbeitsintensiven Weg zurück. Zuerst müssen sie sich überlegen, welches Thema sie interessiert und fesselt, so dass sie sich mit Freude damit auseinandersetzen. Danach steht das Sammeln von Informationen, das Bibliographieren, das sortieren. Dabei spielt die Auswertung nach Relevanz und Gehalt eine ausschlaggebende Rolle. Nach der langwierigen Anhäufung von vielen neuen Details muss man diese gliedern, um einen Punkt darzustellen und zu präsentieren.
Gerade das Thema Prinzipat bietet vielerlei Möglichkeiten, um sich ein relevantes Thema zu suchen.
Zunächst bricht Caesar, dann sein Nachfolger Octavian bzw. Augustus mit den gängigen Traditionen der römischen Republik. Anschließend wird eine Art neue ungeformte Regierungsform, die Monarchie anhand der alten Regeln immer von der regierenden Person definiert. Dadurch gibt es eine Vielzahl an interessanten und mächtigen Persönlichkeiten, die für eine intensive Auseinandersetzung in Frage kommen. Da gibt es Kaiser (Caligula oder Marc Aurel), deren Feldherren (Agricola), deren Berater (Petronius) oder Zeitgenossen (Seneca), die eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Bei der genauen Betrachtung spielen auch eigene Textquellen dieser Personen eine ausschlaggebende Rolle. Autobiographien sind bei den Caesaren und ihren Zeitgenossen keine Seltenheit.
Aber viele Quellen sind eben nicht aus derselben Epoche wie die Person, die sie behandeln. Sueton schreibt 150 Jahre nach Augustus und dessen Nachfolgern über die Kaiser, nicht immer deckt sich das Bild mit der Darstellung von Zeitgenossen.
Solche Verschiebungen haben auch mit dem empfindlichen Gleichgewicht von Macht des Kaisers und dem Empfinden von Volk und Senat zu tun. Ein vermeintlich guter Kaiser wird vergöttlicht, während offenbar schlechte Kaiser im Nachhinein verdammt werden. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, wie ein Pferd als Senator oder eben nur den Hass derer, die von diesem Kaiser entmachtet werden sollten. Nicht selten starb ein Kaiser auch nicht friedlich im Bett, sondern wurde ermordet.
Auch hier findet sich eine Vielfalt von möglichen Ansätzen für eine Seminararbeit.
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Außerdem gibt es auch viele archäologische Punkte, die von Interesse sein können. So etwa die Darstellung von den verschiedenen Kaisern. Wie ließen sie sich verewigen und welche Absichten verbanden sie damit?
Ein weiterer Themenkomplex wäre die Bautätigkeit der Kaiser. Welche Bauwerke ließen sie errichten und zu welchem Zweck?
Wichtig ist dabei aber auch, wie Bücher und Filme der Neuzeit unser Bild der Prinzipatsherrschaft prägen.
"Quo vadis" oder "Gladiator" sind zwar in vielerlei Hinsicht belegbar historisch falsch, aber diese Bilder prägen besonders intensiv unser Verständnis der Antike.
Aber der Alltag eines römischen Herrschers bestand auch darin, das Volk unter Kontrolle zu halten und zu unterhalten (Brot und Spiele) und das Reich zu vergrößern und zu sichern (Kriege). Außerdem war auch das Amt des Oberpriesters seine Aufgabe.
Versorgung, Militär und Religion bieten zusätzlich ein weites Betätigungsfeld.
Damit wäre zumindest bewiesen, dass es für alle Mitstreiter ein passendes Thema geben wird.
Die Hoffnung bleibt, dass auch alle Beteiligten mit Vergnügen und Spaß am Ball bleiben.
A. Neumann
