Das historische Profil unserer Schule
Bild: der Mönch Froumund, der "älteste Lehrer Tegernsees"![]()
Es handelt sich um eines der vier Glasfenster von 1879, gestiftet zum Gedächtnis an die Neugründung des Klosters im Jahre 979 durch Kaiser Otto II., restauriert 1997; Leihgabe der Pfarrei Tegernsee an das Gymnasium.
Es zeigt den Mönch Froumund (um 960 - 1012): Schreiber, Dichter und ältester namentlich bekannter Lehrer des Klosters Tegernsee. Von ihm stammen mehrere Abschriften antiker Klassiker, selbstverfasste lateinische Gedichte und eine Sammlung von Briefen in kunstvoller lateinischer Prosa.
(vgl. Dr. R. Götz, Vortrag zur Präsentation der Gedächtnisfenster, gehalten 1997 am Gymnasium Tegernsee)
Es gibt wohl wenige Schulen in Bayern, die bereits durch ihre Lage und die Geschichte ihres Gebäudes eine derartige Prägung erfahren wie unser Gymnasium.
Jeder weiß, wir befinden uns in Tegernsee auf ältestem Kulturboden Bayerns:
Sitz unseres Gymnasiums ist das bekannte Tegernseer Schloss, die ehemalige Sommerresidenz der Wittelsbacher, 1817 als Privatbesitz nach der Säkularisation des Klosters Tegernsee erworben. Doch der Umbau zum Schloss veränderte den Gesamtcharakter der Klosteranlage nicht, vorwiegend deren Außenfassade. So blieb dank des Schlosses das Kloster im Kern erhalten.
Als der bayerische Staat dann 1979 den Ost- und Südtrakt des Schlosses für den Neubau des Gymnasiums, der sich harmonisch in das alte Klostergebäude einfügen sollte, erwarb, stand unsere Schule von Anfang an in der großen Kulturtradition des ehemaligen Klosters Tegernsee. Diese rückte neu ins Bewusstsein der Schulgründer, Planer und Architekten; sie drängte sich förmlich all jenen auf, die mit diesem Projekt zu tun hatten. Hier seien nur einige "Highlights" der Kulturgeschichte genannt: die berühmte Schreib- und Malschule, der erste Ritterroman des Mittelalters ("Ruodlieb"), das "Spiel vom Antichrist", das "großartigste aller geistlichen Dramen des Mittelalters" (Dr. Götz), die berühmte Bibliothek von ca. 40 000 Bänden, die sich damals mit der des Vatikans durchaus messen konnte - alles Ausdruck einer hohen Klosterkultur.
Doch die Idee, ein modernes Gymnasium in ein jahrhundertealtes Barockgebäude zu bauen, eine Harmonie zwischen Altem und Neuem, zwischen Ästhetik und Funktionalität herzustellen und - weitergehend - ein kulturelles Zentrum für die Stadt und das Tegernseer Tal zu schaffen, war nicht von Anfang an gegeben (und schon gar nicht populär).
Sie entstand aus einem heftigen Konflikt der 60er und 70er Jahre: Man wollte das alte Schloss, in dem seit 1949 das "Gymnasium mit Oberrealschule" sozusagen als Mieter wohnte, so schnell wie möglich verlassen, denn es war baufällig und für einen modernen Unterricht untragbar geworden. Traurige Berühmtheit erlangte der Absturz eines 30-Zentner-Stücks der Decke im 2.Obergeschoss (zum Glück in den Osterferien 1963). Man wollte einen raschen Neubau bei Gmund haben.
Doch es kam - zum Glück für unsere Schule - anders:
Denn allmählich trat ein Bewusstseinswandel ein. Das Thema Landschaftsschutz gewann in den 70er Jahren immer mehr an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielte die Gruppe der "Sieben Bürger" (unter ihnen der engagierte Herr Ziersch), die eine "Kampagne der Natur- und Kulturhüter" ins Leben riefen und im Tegernseer Schloss eine günstige Ausgangslage für ein "hervorragendes Gymnasium (...) mit kultur- und kunstorientierter Ausstrahlung auf das Tegernseer Tal" sahen.
Damit war die entscheidende Perspektive formuliert, aus der heraus unser heutiges Gymnasium eigentlich erst entstand und aus der es bis heute seine Identität und seine Besonderheit erfährt.
Bald nahm die Idee konkrete Gestalt an und 1979-82 wurde der Neubau mit Restauration der Klostergebäude durchgeführt. Es entstand ein einmaliges Schulgebäude, das alle, die unser Gymnasium besuchen, bewundern und um das man uns beneidet.
So resultieren Erscheinungsbild und Identität unserer Schule aus den starken historisch Wurzeln der Klostergeschichte, die nicht zu übersehen und zu negieren sind, aber auch aus modernem, kultur- und kunstotrientiertem Denken, das den Glücksfall einer Harmonie von Landschaft und Kultur, Unterrichtsstätte und und Lebensqualität erkannt und in die Tat umgesetzt hat.
Viele Schulen müssen sich einen Namen "geben" und ein Profil "suchen" - unserer Schule erwuchs der Name einfach aus der Geschichte ihrer Entstehung. Und auch die Grundlinien des Profils sind vorgegeben: Es sollte eine Schule mit stark kulturhistorisch-ästhetischem Akzent und einer besonderen Form von Lebensqualität sein, die sich in einem angenehmen Schulklima niederschlägt, das es zu erhalten und auszubauen gilt.
E. Teufel
Quellen:
- Dr. Roland Götz, Vortrag anlässlich der Präsentation der restaurierten Gedächtnisfenster von 1879 am Gymnasium Tegernsee am 26.09.1997
- Dr. Roland Götz, Kloster Tegernsee - Benediktinisches Zentrum des alten Bayern Haus der Bayerischen Geschichte, Klöster in Bayern: Tegernsee, (s. Internet)
- Chronik des Gymnasiums Tegernsee
