Akademie in Rom

Christine Stadler hat an der Akademie in Rom teilgenommen.
Aus der Tegernseer Zeitung bitte hier klicken




Lateinakademie "Libertas et conscientia"

in Rocca di Papa bei Rom, 19.4. - 25.4.2011



Die erste Frage als ich nach Hause kam, war "Und, wie war's?"...Tut mir leid, aber diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Deshalb gab es meistens nur ein knappes "Schön!" zur Antwort; all jene, die also auf eine zufriedenstellende Antwort warten mussten, werden nun reich beschenkt:


Aus 500 Bewerbern wurden 20 Jugendliche aus ganz Deutschland ausgewählt bei der Lateinakademie "Libertas et conscientia" in Rocca di Papa bei Rom vom 19.4. - 25.4.11 mit internationalen Professoren teilzunehmen. Die Auswahl erfolgte nicht nach Noten, sondern nach sozialem Engagement. Dieses reichte von Oberministranten und Lektoren bis hin zu politischem Engagement, vom Klassensprecher bis hin zum Abiballorganisator.

Ziel der Stiftung "young leaders" ist es, Jugendliche, die Gruppen leiten, zu fördern, da laut einer Studie 80 % dieser bereits früh engagierten Jugendlichen auch später Führungsaufgaben übernehmen werden.

Verwunderlich war es deshalb, dass die beiden Gruppenleiterinnen, die uns die Woche über begleiteten, nicht wirklich ihren Aufgaben nachkamen. Es gab weder allgemeine Ansagen, z.B. nach dem Essen, noch ein gültiges Programm. Erst als der Chef der Stiftung zu Besuch kam, funktionierte die Organisation plötzlich reibungslos und es gab nach drei Tagen auch tatsächlich auch eine Vorstellungsrunde... (die ich mit reichlich viel Sarkasmus und Ironie meisterte...)!

Abgesehen von diesen "Start"schwierigkeiten mit den Gruppenleitern waren die Professoren dagegen, darunter Prof. Splett, sehr bemüht uns ihr Wissen näher zu bringen.

Dazu übersetzten wir ausgewählte Teile aus Thomas von Aquins "Summa Theologiae" q. 18 u.19.

Bei Professoren, die deutsch sprachen, auf deutsch, bei amerikanischen Professoren auf englisch (was wieder einmal zeigt, dass man auch sehr gut zurechtkommt, wenn man Englisch abgewählt hat! ).

Diese Texte beschäftigen sich mit Fragen wie "Wodurch wird eine Tat gut?" oder "Wie weit reicht der Unterschied gut-böse?". Nach dem Übersetzen wurde darüber diskutiert und Fragen gestellt, die natürlich nicht immer beantwortet werden konnten, aber zumindest war man dann mit so viel Hintergrundwissen ausgestattet, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.

Bei diesen Diskussionsrunden behandelten wir nicht nur das gerade Übersetzte, sondern versuchten auch Aktualitätsbezüge herzustellen. So sprachen wir zum Beispiel auch über die ethischeBewertung von Tyrannenmord und Abtreibung. Auch wurde die Theodizee-Frage besprochen. Bei all diesen Gesprächen konnte man auch immer etwas für das eigene Leben mitnehmen. Ich denke jetzt oft viel genauer über eine Tat und ihre Folgen und damit ihre Bewertung nach als ich es vorher getan habe und versuche so, möglichst nach meinem Gewissen zu handeln.

Um auch etwas über die Person des Thomas von Aquin zu lernen, besuchten wir gleich am zweiten Tag dessen Geburtsort Roccasecca. Dieser wurde lange Zeit vom Benediktinerkloster Montecassino aus verwaltet. Dieses Kloster wurde 529 n.Chr. von Benedikt von Nursia gegründet und im Laufe der Jahre oft zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Die Führung durch dieses Kloster war vor allem für mich sehr interessant, da ich somit unser ehemaliges Kloster Tegernsee auch wieder mit neuen Augen entdecken konnte.

Natürlich haben wir auch einen Tag im Stadtzentrum von Rom verbracht, wobei der Schwerpunkt selbstverständlich auf den antiken Ausgrabungsstätten lag. Deshalb sahen wir uns auch zuerst die historische Hafenstadt Ostia an, oder besser gesagt, das, was davon übrig geblieben ist.

Auch hier war es spannend einmal sein ganzes Hintergrundwissen, das man während seiner Lateinzeit in der Schule gesammelt hat, auch "anwenden" zu können und den ganzen Aufbau einer historischen Stadt mit Bädern, Amphitheater, Hochhäusern, Kneipen, etc. zu sehen.

Danach begannen wir unsere Romtour am Circus Maximus und arbeiteten uns dann übers Kolosseum vor zum Forum Romanum, wo auch heute noch fast wöchentlich Ausgrabungen erfolgreich stattfinden, wie uns Prof. Holzer mitteilte.

Nach Pantheon, Trevi-Brunnen und der Kirche für deutsche Katholiken, wo man richtiges Bayernfeeling bekam, ließen wir den Tag gemütlich im Viertel Trastevere mit Pizza und Eis (bei Regen!) ausklingen.

Bei der Feedback-Runde konnte ich leider nicht dabei sein, da ich schon ein paar Stunden früher als die anderen abgereist bin, um meinen Zug nach Udine zu erreichen (denn gleich im Anschluss war eine Ministrantenfreizeit...). Allerdings habe ich mich umgehört (dank moderner Kommunkationsmittel kein Problem...) und festgestellt, dass an Kritik nicht gespart wurde und auf Schmeicheleien großteils verzichtet wurde. Allein schon deswegen hat die Akademie ihr Ziel erreicht, nämlich junge Menschen einzuladen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und sich nicht scheuen, auch Kritik zu äußern und somit Verbesserungen anzuregen.



Die häufigste Frage, die bei meiner Rückkehr gestellt wurde, war: "Und, hat es was gebracht?"

(oder noch besser die Frage: "Was bringt Latein?")

Dazu habe ich während meiner Anreise ein wunderschönes Zitat gelesen (aus 90 Nächte, 90 Betten - Christine Neder): "(...) um Sachen zu lernen, die kein Mensch braucht, aber eine persönliche Bereicherung sind." Genauso war es mit diesem Romaufenthalt. Man kann bestimmt auch nach seinem Gewissen und somit gut leben ohne sich darüber großartig Gedanken gemacht zu haben. Aber er war eine persönliche Bereichung. Es wurden Meinungen ausgetauscht und man diskutierte viel und lang, aber niemals wurden dabei Beleidigungen geäußert oder die Person persönlich verletzt. Man merkte, dass sich alle auf irgendeine Weise für das Thema interessieren und alle haben sich gern daran beteiligt. Diesen Respekt voreinander und diese Begeisterung für eine Sache ahbe ich mir mit nach Hause genommen.

Ich habe Deutschland mit seinen vielen Facetten ganz neu kennengelernt und viele interessante Menschen getroffen, seien es Kellner, Schüler oder Professoren. Schließlich wurden viele ethischeProbleme besprochen und einige Hilfestellungen zur Problemlösung geboten. Doch nicht nur fachlich war es eine Bereicherung. Ich habe viel an Selbstvertrauen dazu gewonnen, da ich einmal "am eigenen Leib" erfahren habe, dass es wirklich nicht nur auf Noten ankommt (natürlich ist eine gute Basis immer hilfreich!!). Hinzu kommt, dass ich jetzt viele Dinge wieder um einiges motivierter anpacke, seien es nun schulische oder außerschulische Angelegenheiten. Außerdem weiß ich jetzt, dass ich es schaffe, mich allein in den unterschiedlichsten Situationen zurechtzufinden.

Alles in allem hat sich diese Art die Osterferien zu verbringen wirklich gelohnt und ich kann nur allen raten, sich zu engagieren, sich einzubringen und schließlich auch einmal etwas zu wagen!


Zum Schluss möchte ich mich gern noch bei allen danken, die mich täglich motivieren und an mich glauben und mir dies durch kleine Bemerkungen und Aufmunterungen auch immer wieder deutlich machen!

Dies trägt dazu bei, dass ich an vieles mit dem nötigen Optimismus herangehe!

DANKE!


Christine Stadler, Q1